Kritiken

Die Dialekte des Körpers
(d u t y  f r e e, Tanzcompagnie RUBATO)

(...) "Duty Free" ist sportlich, knackig, zärtlich und laut. Es gibt wundervoll vertrauensvolle Duette und skurrile anatomische Studien. Die vier Männer und zwei Frauen rennen über die Bühne, üben sich in Manndeckung und füllen den Raum mit plötzlicher Energie. Dann wie ein Punkt, ein einzelner Strich in der Landschaft, steht die Chinesin Zhou Niannian da und spaltet sich in einem senkrechten Spagat. Zwei Auftritte später führt sie einen indisch anmutenden Code der Finger vor, in der jeder noch so kleine Knochen signifikant wird. Hinter ihr stürzt der Kanadier Daelik vorbei, gezogen von seiner Hand, die sich in Isolationstechnik aus dem Körper davonmacht. (...)
Zusammen hält das Stück die polternd beginnende Musik von Lutz Glandien, der aus einer intimen Nähe zu den Tänzern, ihren Stimmen, Körpergeräuschen und Lieblingsmusiken ein effektvolles Gewebe gesampelt hat. Verlangsamung, scharfe Akzente, die wie ein Blitz in den Raum fahren, und Beschleunigungen, wie sie das Zeitalter der Schnellrechner hervorgebracht haben, strukturieren die Zeit und katapultieren das akustische Material in einen grenzenlosen Raum. In weiter Ferne, so nah.
Katrin Bettina Müller, TAZ Berlin (14.1.2002)

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