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Holle

Wie im Märchen „Frau Holle“ betritt der Besucher ein Portal, das aus 180 freischwingenden Plexiglasröhren gefertigt ist und eine Grundfläche von 3x4 Metern einnimmt. In der Mitte des Portals, umschlossen von 3 Meter langen Röhren, öffnet sich ein dreidimensionaler Hörraum. Aus 88 in die Röhren eingelassenen Lautsprechern ergießt sich ein Strom aus Naturgeräuschen, Stimmen, Klängen und Tönen über den Hörer. Mit Blick auf die Umgebung, die durch die schwingenden durchsichtigen Röhren fremd erscheint, lauscht der Besucher märchenhaften Klangwandlungen.
Die begehbare Klanginstallation Holle wurde im Rahmen des sonambiente – festival für hören und sehen im August 1996 in Berlin realisiert. In den Arkaden der Staatsbibliothek Unter den Linden schufen der Architekt Malte Lüders und der Komponist Lutz Glandien gemeinsam ein Klangkunstwerk, das Klang und Architektur miteinander verknüpft und die örtlichen Gegebenheiten, Stimmungen und Geräusche einbezieht. Die vierkanalige Komposition greift das Geräusch der Wasserfontäne im Innenhof der Staatsbibliothek auf, entlockt ihm musikalische Harmonien und läßt Tier- und Menschenstimmen, Instrumentalklänge und Zivilisationsgeräusche hervortreten. Die Collage mündet in den gelesenen Text des Märchens „Frau Holle“. Die gläserne Klangoase bezieht sich auf die märchenhafte Umgebung der grün bewachsenen Architektur des klassizistischen Innenhofes und weckt im Besucher verwunschene Assoziationen.
(Dr. Kersten Glandien)
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