Texte

Marler Medienkunstpreis für Videokunst | Sonderpreis der Jury an:

Jingle Jungle
Video von Hartmut Jahn, Musik: Lutz Glandien

Die Begründung der Jury für Hartmut Jahns „Jingle Jungle" lautet:
„Ausgehend von einem Jingle (ein kurzer, ästhetisch angelegter Fernsehspot, in diesem Fall für den ARTE-Themenabend ,Die Liebe zum Land' entstanden), dekonstruierte HARTMUT JAHN mit dem Musiker LUTZ GLANDIEN in der ausgezeichneten Video-Arbeit eine Geschichte, die durch ihre assoziierende Kraft und den hohen ästhetischen Anspruch besticht. Die eindrucksvollen und klar geschnittenen Bilder mit der sorgfältig komponierten Tonspur bilden einen aphoristischen Erzählstrom, der politische und soziale Aspekte der sogenannten ,Dritten Welt' und den westlichen Allmachtsanspruch widerzuspiegeln scheint. Das Maisfeld mit den metallisch knickenden Ähren, das runzlige, durch Tücher halb verdeckte Gesicht eines alten Mannes, der die trockene Erde aufreißende Holzpflug, der absurd anmutende Waffentanz eines Soldaten, die weite, von dunklen Wolken bedrohte Ebene und die Gewänder der die Ebene durchschreitenden Frauen und Männer: all dies vereint sich zu einer melancholischen Atmosphäre und erzählt von Erdulden, Bangen und Hoffen. Der Jingle verliert durch die Neubearbeitung seinen zeichenhaften Charakter und erhält in der neuen, immer wieder zitierten Position die Metapher einer gestörten Lebenssphäre, die durch die hinzugefügten Bilder, Worte und Töne intensiviert und angereichert wird. Auf diese Weise gelingt Hartmut Jahn und Lutz Glandien eine optisch wie akustisch überzeugende Stellungnahme jenseits von überzogener Aggressivität und hohler Propaganda."
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