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Klang – Architektur

Die konzeptionelle Position der gemeinsamen Arbeit des Komponisten Lutz Glandien und des Architekten Malte Lüders hat sich nicht im theoretischen Raum entwickelt, sondern bildete sich während der Arbeit an den Installationen heraus.

Ausgangspunkt war die Frage nach der Verbindung zwischen Architektur und Klang, zwischen Räumlichem und Zeitlichem und deren unterschiedlicher Materialität. Diese wurde immer wieder an den Gegensätzen beider Disziplinen eruiert:
"... Räume zu formulieren, die so vergänglich, durchlässig und fließend sind wie Musik; Klänge zu erschaffen, die so sichtbar, fasslich und räumlich sind wie Architektur. Gleichzeitig gilt es über mediale Gemeinsamkeiten beider Künste, wie Takt, Rhythmus, Struktur, verwendetes Material, eine Dichte zu erzeugen, die Raum und Klang ganz miteinander verbindet".
Die gesuchten synergetischen Effekte fanden sich in transparenten Stoffen wie Wasser und Plexiglas. Wasser bietet in seiner Materialität die Möglichkeit, das Temporäre der Musik in Wellenform abzubilden, doch zugleich räumlich und zeitlich Bestand zu haben. Seine Transparenz verbindet Schall und Licht. Die optische Verwandtschaft zu Glas konsolidiert nicht nur die Synergese der Materialien, sondern wirkt zugleich als Vermittler zwischen Installation, Umraum und Besuchern.
Dieser ephemere Zusammenschluss von Materialien, Konstruktion, Akteuren und Umgebung bildet den Leitfaden in der Zusammenarbeit beider Künstler.

In der Klanginstallation Körperwellen – Wellenkörper wird der hörbare Klang zweifach räumlich abgebildet: sichtbar an der Oberfläche des Wassers, fühlbar in den Schwingungen der Bodenplatten. Die Licht-, Reflexions- und Raumverhältnisse der Installation beeinflussen massgeblich die intimen Wahrnehmungskonstellationen der Installation.

In der Installation Klangfluss wandert der Klang von einer Glaslinse zur anderen stroman, dem Lauf des Flusses entgegen. Akustische und räumliche Wellenbewegungen verhalten sich also gegenläufig. Diese horizontale Gegenläufigkeit der unterschiedlichen Schwingungen wird in der Spiegelung von Wasser und Himmel in den sieben Linsenkörpern vertikal aufgefangen und beruhigt.

Das Klangportal Holle wurde für das Portal der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden entworfen und bezieht sich auf den Springbrunnen des Innenhofes. Die 180 sich bewegenden Plexiglasröhren simulieren in ihrer Struktur das fallende Wasser der Fontäne. Die durch die Röhren auf den Besucher strömenden Klänge sind den Geräuschen des Wassers entnommen. Das Rauschen der Fontäne verschmilzt mit der sich ständig entwickelnden Klangcollage. Während des Hörens wird der Blick des Besuchers auf die Umgebung durch die gläsernen Vertikalen der Installation gebrochen.
(Dr. Kersten Glandien)
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