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Körperwellen – Wellenkörper

In tiefer Frequenz zeigt sich Klang als Bewegung. An der Schwelle des Hörens wandelt sich unser Klangempfinden – Klang wird sichtbar und fühlbar. Das komplexe Erleben von Musik durch Sehen, Hören und Spüren ist Thema der Installation Körperwellen – Wellenkörper.

Entlang zweier T-förmig verbundener, freischwingender Holzplanken sind vier verschieden große, auf Metallgerüsten gelagerte, flache Wasserbecken positioniert. In die Beckenböden wie auch unter die Planken sind Bodyshaker montiert – Lautsprecher zur Wiedergabe tiefer Frequenzen. Auf diese verteilen sich die sechs Kanäle der Klangkomposition, die Geräusche von Wasser, Glas und menschlichen Stimmen zum Ausgang ihrer Klangtransformationen nimmt.

Beim Betreten der Planken fühlt der Besucher leichte Vibrationen und sieht feine Wellen sich kreisförmig auf der lichtdurchfluteten Wasseroberfläche kräuseln.
Die leisen Klänge der 37minütigen Komposition erscheinen eher elusiv, den Übergängen von Klang in Bewegung, von auditiver in taktile und visuelle Wahrnehmung nachspürend. Bodyshaker versetzen KÖRPERelemente wie Wasser, Holz und Luft in sichtbare – hörbare – spürbare Schwingungen. So entschwindet der Klang dem Gehör und taucht zugleich als leichtes Kribbeln wieder auf, Wellen glätten sich auf dem Wasser und wandeln sich zu hörbaren Klanggebilden.

Ursprünglich für den Lichthof des Sender Freies Berlin entworfen, reflektieren die Proportionen der Installation dessen ausgewogene funktionalistische Architektur.

(Dr. Kersten Glandien)
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