Kritiken

Ruhestörung
für Ensemble, 1986

Finale oder da capo? (9. DDR-Musiktage)
[...] Glandien, ein Schüler Georg Katzers, schrieb 1986 das Stück mit dem programmatischen Titel "Ruhestörung" für kleine Flöte, Tuba und präpariertes Klavier, Aluminiumrohre, Gläser, Büchsen, Eimer, Bleche und Bretter. Glandiens Komposition wirkte als eine Musik der spröd-scharfen Gesten, die sich kunstvoll ausgestellter Eleganz verweigerte. Die Musik enthält nichts Fließend-Verbindendes, gerät ständig ins Stocken und muß immer wieder Anlauf nehmen. Die Wahl der disperaten Instrumente bedeutet aber nicht nur eine Ausweitung klanglicher Möglichkeiten, vielmehr sind diese aufgespalten in traditionelle und nichttraditionelle Klangcharakteristika, die in unterschiedlichen Dialog- und Kommunikationsformen miteinander und gegeneinander ausgespielt werden. Drei Abschnitte durchläuft die Komposition: im ersten wird das Instrumentarium vorgestellt, im zweiten geraten Bläser und Schlagwerk konflikthaft aneinander, während im Schlußteil eine gemeinsame Abstimmung versucht wird.
Glandien: "Aus dem einträchtigen Ende des Stückes sollten keine Schlüsse auf wahre Begebenheiten gezogen werden."
Wie auch immer man diesen Satz für sich auflösen mag – als Reflex über musikalisch-autonome Prozesse oder aber als Anspielung auf die außermusikalische, politische Gegenwart von 1986 – dieses etwa zwanzigminütige Stück fiel wegen seiner Stringenz im Ablauf, seiner prononcierten Gestik und klanglichen Reize auf.
Joachim Lucchesi (NZ 6, 1990)
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