Texte

Schattenspiel
für Klavier und Tonband, 1992

Die Komposition "Schattenspiel" entstand 1992 auf Anregung des amerikanischen Pianisten Jeffrey Burns. Wie alle meine Kompositionen der letzten Jahre, wurde auch jene ausschließlich am Computer ausgearbeitet. Der Computer diente zum einen als eine Art Simulationsinstrument, das mich in die Lage versetzte, alle Strukturen sofort hör- und nachvollziehbar zu machen und zum anderen zur Erarbeitung des elektronischen Parts. Zuerst wurde die Klavierstimme – analog der traditionellen Kompositionsmethode mit Papier und Bleistift – in den Computer "geschrieben" und über MIDI und Sampler hörbar gemacht. Allerdings erfolgte dieser Prozeß aus Gründen der zeitlichen Präzision nicht mit tradidioneller Notenschrift, sondern mittels einer Art Balkendiagrammschrift, womit Tonhöhe und vor allem Tondauer exakter zu visualisieren waren. Erst nachdem die Komposition fertigestellt war, erfolgte die Übertragung in eine für den Pianisten lesbare Partitur. Da alle Noten der Partitur als MIDI-Daten vorlagen, war es nun möglich, das Zuspielband zeitsynchron durch Ansteuerung eines Samplers, der eine Sammlung verfremdeter Klavierklänge enthielt, zu erstellen. Für die Tonhöhenorganisation im Sampler verwandte ich eine Acheltonskala. So enstand eine Art Schattenklangfolge, welche unmittelbar mit dem real gespielten Klavierpart synchron verläuft. Der Tonbandpart wurde nicht in die Klavierpartitur notiert, da Jeffrey Burns sein gesamtes Repertoire ausschließlich zeitgenössischer Musik auswendig spielt und anhand der Computersimulation das Zusammenspiel von Noten und Band studieren konnte.

home