Kritiken

Der Sonderbefehl
(Hörspiel von Steffen Heckmann, Regie: Barbara Plensat)

[...] Doch macht es sich die Inszenierung so einfach dann doch nicht. Die Klangkulisse nämlich erscheint bei näherem Hinhören viel düsterer noch als zunächst vermutet. Die Finsternis der Geräusche ergibt sich aus ihrer Zerstörung. Denn zu hören ist letztlich die Erinnerung an bekannte Klänge. Die Samples sind derart fragmentiert, dass ihre Herkunft nicht mehr nachzuvollziehen ist. Auch die sehnsuchtsvollen Klänge á la Astrud Gilberto werden von dumpfem Dröhnen überlagert. Den Herzschlag des Stückes simuliert ein verzerrter Bass, flankiert von Schleifen aus marschierenden Stiefeln oder dem Klatschen von Faustschlägen. Verstärkt wird die unangenehme Atmosphäre durch Stimmen, die selten direkt zum Hörer sprechen, vielmehr aus verschiedenen Räumen widerhallen. Sie sind bald verzerrt, bald mit Hall versehen und verstärken in ihrer Distanziertheit den Eindruck der Kühle, aber auch der Nüchternheit. In diesem routinierten wie eindrucksvollen Zusammenspiel von Barbara Plensat (Regie) und Lutz Glandien (Komposition) bekommt der Text dann doch noch einmal eine Chance. [...]
Matthias Schühmann
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